Jedem steht ein Engel zur Seite, wenn wir ihn nicht durch unsere bösen Werke vertreiben. -Hl. Basilius

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Schreie in der Nacht

Oder auch Mord in der Nacht. Eine einfache, kurze Szenerie mit einer einzigen Bühne. Und trotzdem sind viele Andeutungen vorhanden, Fragen werden gestellt, aber niemals beantwortet.

Schreie in der Nacht

Dunkel war es in dem Zimmer, wo sich ein Kind angstvoll hinter einem schwarz gekleideten Mann versteckte. Kein Geräusch kam über seine Lippen, nur ein kleines keuchen. Der Mann war derjenige, der am Sprechen war. Nicht mit dem Kind, sondern mit der Frau, die auch noch im Zimmer war. Direkt neben der Türe, mit pechschwarzen Haaren und goldenen Augen, die durch die dunkle Atmosphäre leuchteten.
»Gib mir das Kind!«, zischte sie.
Der Mann aber schüttelte den Kopf. Mit einem Arm fuhr in seinen bodenlangen Mantel, der aus synthetischen Materialien bestand. Er zog aus ihr eine lange Pistole hervor, mit der linken Hand, da die rechte bereits das Kind beanspruchte. Ängstlich spähte sie immer wieder mit den Augen zwischen Arm und Körper hindurch, um jene Frau zu beobachten, von der sie solche Angst hat.
»Fünf Sekunden«, sprach der Mann, deutete auf die Türe und versuchte dabei, so ernst wie Möglich zu klingen. Angst hatte er keine, aber ob er auf eine Frau schiessen konnte?
Regungslos blieb sie stehen. Als ob sie nur darauf wartete, erschossen zu werden.
»Vier«, sagte er und entschloss sich nun, entgegen meinem Gewissen, einfach zu schiessen. Zur Unterzeichnung meiner Drohung spannte er die Pistole und entsicherte sie.
Als die Frau noch immer nicht reagierte, nur wenige Sekunden später, zählte er erneut herunter: »Drei«.
Nun zielte er tatsächlich auf die Frau, allerdings zuerst einmal auf ihre Schulter. Wenn sie danach nicht verschwinden würde, würde er nun ernst machen.
»Zwei.«
Die Frau grinste nur.
»Eins.«
Erneut deutete auf die Türe. Sein Schussarm blieb ruhig.
»Null.«
Mit einem lauten Knall verliess die Patrone das Schussrohr um im nächsten Moment die linke Schulter jener Frau zu durchstossen. Rechts des Mannes zuckte ein Kind zusammen, das leise zu weinen begann.
Mit der Erwartung, die Frau würde nun verstehen, lag er daneben. Sie lachte nur, während sie sich ihre Jacke von den Schultern war. Mit dem Schütteln ihres Hauptes war sie die überlangen Haare in den Nacken; ihre Augen fixierten wieder den Mann. Sie sagte allerdings kein Wort. Sie zog den Pullover ab, den sie trug, und knöpfe das Hemd auf.
Grübelnd sah ihr der Mann zu. Er hatte nun auch mit einem Angriff gerechnet, aber ganz sicher mit mit einem Strip!
Das Hemd viel zu Boden. Still deutete die Frau auf ihre blutende, linke Schulter.
»Narr«, zischte sie. »Verschwendete Munition! Ein Tier zu schiessen ist eine Sache. Aber einen Morph mit einer Kugel zu töten, das ist das lächerlichste, was ich jemals erlebt hatte!«
Ungläubig starrte der Mann auf ihre Schulter. Innert Sekunden stoppte die Blutung, das Fleisch erholte sich.
»Wa –«
Zu Ende sprechen konnte er nicht. Die Frau sprang auf ihn zu, und noch bevor der Vollmond hinter dem Turm der Kirche verschwand, konnte man den Aufschrei eines Mannes hören, der so eben sein Herz verlor. Und begleidend den panischen Schrei eines Kindes, das nun verloren war.